Tagung: Literarisches Übersetzen als Praxis kultureller Bildung mit Jugendlichen
Wir laden herzlich ein zum Netzwerktreffen am 30.9. und 1.10.2026 im Literarischen Colloquium Berlin
Wer liest, schult Sprachbewusstsein. Wer schreibt, übt Kreativität. Und wer übersetzt, trainiert darüber hinaus interkulturelle Kompetenzen. Die Arbeit mit literarischer Übersetzung in der kulturellen Bildung bedient sich dieser Wirksamkeit. Für viele mehrsprachig aufgewachsene Schüler·innen ist Übersetzen Alltag, der Sprach- und Kulturtransfer allgegenwärtig. Durch die gemeinsame, angeleitete Übersetzung von Comics, Kurzgeschichten, Sprichwörtern, Gedichten, Songs oder Theaterszenen in Workshops, sei es in der Schule oder in Kulturräumen wie Bibliotheken, entstehen augenöffnende Momente, Empowerment und Spaß am Formen von Sprache.
Unser Projekt „Echt absolut“ entwickelt und versammelt seit 2018 Workshopkonzepte und mittlerweile über 400 Lehrmaterialien zur Sprachmittlung mit Literaturübersetzung – frei nutzbar für Lehrkräfte und andere Vermittler·innen.
Bei der Tagung „Zwischen deinen Wörtern* – Literarisches Übersetzen als Praxis kultureller Bildung mit Jugendlichen“ geht es in Vorträgen, Lesungen, Gesprächen und Workshops um das Arbeiten mit Literatur und Übersetzung für eine jugendliche Zielgruppe, insbesondere auch im mehrsprachigen Kontext vieler Schulen.
An zwei Tagen laden wir ein zu Fortbildung und Austausch – auf dem Programm stehen u.a.: Comic-Lesung zu „Diebin“ (Lucie Bryon) mit der Übersetzer·in Silv Bannenberg, Workshops, Vorträge und Podiumsdiskussion zu Mehrsprachigkeit und Schule, Impulse aus anderen Projekten mit jungem Publikum sowie Lesung und Gespräch mit José F.A. Oliver und Liv Thastum.
Zum Programm bitte runterscrollen. Der Eintritt zur Tagung ist frei.
Zur Anmeldung geht es hier.
Information für Berliner Lehrkräfte: die Tagung ist in der Fortbildungsdatenbank BLIQ gelistet.
Wir freuen uns auf Lehrer·innen, Übersetzer·innen, Bibliothekar·innen, Wissenschaftler·innen, Akteur·innen der kulturellen Bildung und alle weiteren Interessierten.
*Der Titel der Konferenz entstammt dem Text „Abzulegen das Blau“ von Liv Thastum
Tagungsprogramm
„Zwischen deinen Wörtern – literarisches Übersetzen als Praxis kultureller Bildung mit Jugendlichen”
Mittwoch, 30.9.2026
15.00 Uhr Begrüßung
15.30 Uhr Workshoprunde I
16.15 Uhr Kaffeepause
16.45-17.30 Uhr Workshoprunde II
17.40 Uhr Gemeinsame Reflexion und Austausch
18.15 Uhr Imbiss
19.30 Uhr Öffentliche Abendveranstaltung:
Lesungen von José F.A. Oliver und Liv Thastum mit anschließendem Gespräch. Moderation: Jelena Kern
Abendveranstaltung:
Was geschieht, wenn sich Wörter Wahlverwandtschaften suchen?
Liv Thastum und José F. A. Oliver erkunden in ihren Texten Sprache als etwas Bewegliches: Sie tasten Wörter ab, überschreiten und öffnen Sprachgrenzen, zerlegen und verschieben Begriffe und lassen verschiedene Sprachen miteinander in Beziehung treten. Oliver schreibt zwischen Deutsch und Spanisch, geprägt von der andalusischen Herkunft seiner Familie; Thastum bewegt sich – ebenfalls zweisprachig aufgewachsen – zwischen Deutsch und Dänisch.
In ihren Gedichten wird Mehrsprachigkeit zu einem dritten Raum, in dem Vertrautes fremd und Fremdes vertraut werden kann. Die Texte legen den Blick frei auf eine nomadische Gegenwart. Sie werden zu Landschaften, in denen sich Bilder, Erinnerungen und Wahrnehmungen überlagern.
Das Dialogische der Sprachen spielt auch der Bildungsarbeit beider Autor·innen eine Rolle: Beide bieten regelmäßig Schreibwerkstätten und literarische Workshops für Jugendliche an. Auch darum wird es an diesem Abend gehen: Wie können sich unterschiedliche Sprachen begegnen? Wie kann mit dieser Begegnung Sprachsensibilität gefördert werden?
Workshops:
Drei Kurzworkshops geben Einblicke in das Potenzial von Literaturübersetzung in der Arbeit mit jungen Menschen. Es werden Übungen und Material sowie Ansätze für die Praxis vorgestellt.
Bei der Anmeldung sind bis zu 2 aus 3 Workshops auszuwählen:
Workshop 1: „Mach dir ’nen Reim drauf – kreative Textarbeit mit lyrischen Texten“ (sprachübergreifend/ohne Fremdsprachenkenntnisse) mit Antje Riley
Workshop 2: „Mehrsprachigkeit als Superkraft in der Literaturvermittlung – Graphic Novels übersetzen“ (sprachübergreifend) mit Myriam Alfano
Workshop 3: „Einschalten, Kanal wechseln, aufdrehen. Codeswitching und Mehrsprachigkeit“ mit Sandra Hetzl (ausgebucht)
Donnerstag, 1.10.2026
9.00 Uhr Ankommen mit Gelegenheit zum Netzwerken mit Kaffee und Keksen
9.30 Uhr Begrüßung
9.45 Uhr Impulse aus der Wissenschaft:
pädagogische Arbeit mit Jugendlichen im mehrsprachigen Kontext. Kurzvorträge von Ina Schenker (Universität Bremen) und Heidi Rösch (Pädagogische Hochschule Karlsruhe) mit anschließendem Gespräch. Moderation: Swarje Renneke Boekhoff (Kollektiv Bindestrich/Burg Hülshoff — Center for Literature)
10.45 Uhr Kaffeepause
11.00 Uhr Blick über den Tellerrand: wie andere Projekte Literatur und Jugendliche zusammenbringen. Projektvorstellungen und Austausch. Moderation: Lisa Unterberg (Professorin Soziale Arbeit)
-
Literaturpädagogisches Zentrum des Literaturhauses Stuttgart: Erwin Krottenthaler zum Aspekt Vermittlung und Nachhaltigkeit
-
Stadt- und Regionalbibliothek Frankfurt (Oder): Karen Schumann zum Aspekt Zielgruppenarbeit und Bibliothek als dritter Ort
-
Theaterpädagogik der Neuen Bühne Senftenberg: Franziska Golk zum Aspekt Vermittlung und Partizipation
12.00 Uhr Mittagspause
12.45 Uhr Jugendliche Lebenswelten: kulturelle Bildung mit Graphic Novels Comic-Lesung zu „Diebin“ von Lucie Bryon. Übersetzer·in Silv Bannenberg im Gespräch mit Thomas Hummitzsch
13.30 Uhr Im Gespräch: Bildungsprojekte – Wie kann die Zusammenarbeit von Schule und außerschulischen Partnern gelingen? Ein Austausch mit: Kerstin Hübner (Netzwerk Forschung Kulturelle Bildung; in Vertretung von Tom Braun), Christina Siems (Lehrerin Dreilinden-Gymnasium), Alma Böckenholt (Schülerin Dreilinden-Gymnasium), Myriam Alfano (Übersetzerin)
14.30 Uhr Gemeinsamer Abschluss
15.00 Uhr Ende
Das Netzwerktreffen wird kuratiert von Nina Thielicke (DÜF), Christine Wagner (LCB) und Lisa Unterberg (konzeptionelle Beratung)
Über die Tagungsbeteiligten
Myriam Alfano hat Romanistik und Ostslawistik in Frankfurt/M. und Venedig studiert. Sie übersetzt aus dem Italienischen und Spanischen und hat ein Faible für graphische Literatur. Gemeinsam mit Franziska Hüther konzipiert und leitet sie „Echt-absolut“-Workshops mit dem Schwerpunkt Mehrsprachigkeit. 2025 wurde sie mit dem Stipendium für eine DÜF-Gastdozentur ausgezeichnet. Roberto Grossis Graphic Essay „Die große Verdrängung“ in ihrer Übersetzung ist nominiert für den Deutschen Jugendbuchpreis 2026.
Silv Bannenberg lebt in Berlin, gibt Deutschunterricht für Migrant·innen und übersetzt seit zehn Jahren Graphic Novels aus dem Französischen und neuerdings auch aus dem Englischen. Özge Samancıs »In den trüben Gewässern Istanbuls« und Isabelle Marogers »Lebensborn«, die Silv übersetzt hat, wurden 2026 für namhafte Preise nominiert.
Alma Böckenholt ist Schülerin am Dreilinden-Gymnasium in Berlin. Sie besucht die Leistungskurse Deutsch und Kunst und hat am Projekt „Übersetzer·innen unter Schüler·innen“ mit Nadine Püschel teilgenommen. Sie interessiert sich für Theater und tanzt in der Compagnie von tanzparcours für zeitgenössischen Tanz (contemporary dance), außerdem spielt sie Klarinette und Klavier.
Tom Braun forscht zu Möglichkeitsräumen für Kreativität, künstlerische Perspektiven und Selbstbestimmung an Schulen und an Kultureinrichtungen. Er lehrt als Professor für Kultur- und Medienpädagogik an der IU Internationale Hochschule und ist Mitglied der wiss. Leitung des Research Center Kulturelle Bildung und Digitalität.
Franziska Golk leitet die Theaterpädagogik der neuen Bühne Senftenberg, ist Choreografin und künstlerische Leiterin verschiedener Ensembles. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Konzeption und Durchführung interaktiver und partizipativer Vermittlungsangebote für Kinder und Jugendliche. Darüber hinaus entwickelt sie gemeinsam mit jungen und erwachsenen Menschen eigene Musik- und Tanztheaterproduktionen, die die Gefühls- und Gedankenwelt der Teilnehmenden fokussieren.
Sandra Hetzl studierte Visual Culture Studies in Berlin. Sie schreibt Prosa, Essays und Songs und übersetzt arabische Gegenwartsliteratur. Im Herbst ’26 erscheint in ihrer Übersetzung Elegie für das letzte Licht – Texte aus Gaza (Hrsg.: Husam Maarouf und Maha El Hissy; S. Fischer; mit Übersetzungen von Nouria Behloul). Sie ist Gründerin des Agenturkollektivs teneleven.org.
Thomas Hummitzsch lebt in Berlin, arbeitet hauptberuflich in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, nebenberuflich ist er als Literatur-, Comic- und Filmkritiker aktiv. Er ist Mitglied der Jury für den Preis der Leipziger Buchmesse und der FÜF-Stipendienjury, 2025 wurde er für sein besonderes Engagement für das literarische Übersetzen mit der Übersetzerbarke ausgezeichnet.
Jelena Kern studierte in Hildesheim Literarisches Schreiben, Bildende Kunst und Philosophie sowie Contemporary Arts Practice an der HKB Bern. Derzeit ist sie als Lehrbeauftragte für Literarisches Schreiben tätig. Als freie Literaturvermittlerin konzipiert und leitet sie Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie zuletzt das Spaltmaße-Stipendium der Jürgen Ponto-Stiftung.
Erwin Krottenthaler ist ausgebildeter Kulturmanager und seit 2002 stellvertretender Leiter des Literaturhauses Stuttgart. Er konzipierte u.a. das Projekt „Unterricht im Dialog – Schreibwerkstätten im Deutschunterricht“, das bundesweit mehrfach ausgezeichnet wurde. Außerdem ist er Herausgeber der mehrbändigen Publikationsreihe „Unterricht im Dialog“ beim Verlag Kallmeyer/Friedrich. 2013 wurde am Literaturhaus Stuttgart das von ihm initiierte bundesweit erste Literaturpädagogische Zentrum (LpZ-Stuttgart) ins Leben gerufen.
José F.A. Oliver ist Lyriker, Essayist und literarischer Übersetzer. Als Autor wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis und dem Heinrich-Böll-Preis. Er übersetzt Lyrik aus dem Spanischen und ins Spanische und entwickelt und begleitet seit vielen Jahren Projekte der Literaturvermittlung und kulturellen Bildung. Er ist Kurator und Festivalleiter des Hausacher LeseLenz. Im Oktober 2026 erscheint sein neuer Lyrikband „Spracheln“ bei Matthes & Seitz.
Swarje Renneke Boekhoff studierte Komparatistik und Kulturvermittlung in Mainz und Hildesheim. Sie arbeitet als Literaturvermittlerin für „Burg Hülshoff — Center for Literature“ und ist Teil von Kollektiv Bindestrich, das in der Kulturvermittlung tätig ist. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich u.a. mit Mehrsprachigkeit und Zugänglichkeit durch Sprache.
Antje Riley hat Romanistik und Lateinamerikanistik in Freiburg i. Br., Bordeaux und Santiago de Chile studiert. Sie übersetzt aus dem Französischen, Englischen und Spanischen mit besonderer Affinität zu Kinder- und Jugendliteratur. Einige Jahre arbeitete sie als Gymnasiallehrerin für Französisch und Spanisch an einem Berliner Gymnasium und gibt ihre Freude an kreativer Spracharbeit mit Jugendlichen in „Echt-absolut“-Workshops weiter. Mit ihrer deutsch-australischen Familie lebt sie bei Berlin.
Prof. Dr. Heidi Rösch ist Professorin für Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (i.R.). Sie lehrt aktuell dort und an der HU zu Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind: Poetik der Mehrsprachigkeit und Translingualität, Literature und Language Awareness (LitLA) als Konzept literarisch-sprachlicher Bildung,
Dr. Ina Schenker ist Juniorprofessorin für inter- und transkulturelle Studien an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. An der Universität Bremen initiierte sie in Kooperation mit dem Literaturfestival globale° das Projekt LitLab. In diesen Literaturlaboren begleitete sie viel- und mehrsprachige Jugendliche und Autor·innen bei der gemeinsamen Kreativarbeit.
Karen Schumann leitet die Stadt- und Regionalbibliothek Frankfurt (Oder). Nach ihrem Studium der Bibliotheks- und Informationswissenschaft sowie Germanistik war sie viele Jahre in einem Berliner Medienunternehmen tätig. Ab 2021 leitete sie die Stadtbibliothek in Falkensee. In Frankfurt (Oder) gestaltet sie die Bibliothek heute als lebendigen „Dritten Ort“ und verbindet dabei moderne Bibliotheksarbeit mit zeitgemäßer kultureller Bildung.
Christina Siems ist Lehrerin für Deutsch und Englisch am Dreilinden-Gymnasium in Berlin-Wannsee und leitet dort den Fachbereich Deutsch. Sie hat wiederholt mit ihren Lerngruppen an Workshops und Übersetzungsprojekten des Deutschen Übersetzerfonds (u.a. mit Nadine Püschel) teilgenommen.
Liv Thastum ist zweisprachige Autorin. Sie schreibt und übersetzt zwischen Deutsch und Dänisch. In ihren Texten beschäftigt sie sich unter anderem mit Mehrsprachigkeit und gewaltsamen Eingriffen in und durch Sprachen. Ihr Debüt „åben die erda“ ist dieses Jahr bei kookbooks erschienen.
Dr. Lisa Unterberg ist Professorin für Soziale Arbeit an der IU Internationalen Hochschule. Sie arbeitet und forscht zu Themen der Kulturellen Bildung, Digitalisierung und Subjektivation. Als systemische Coach begleitet und berät sie Menschen und Institutionen an der Schnittstelle von Kultur und Bildung.